Spaß, der Freude macht

Seit Monaten keine Zeile mehr in den Blog gedübelt. Ja erlebt der Mann denn überhaupt nichts mehr? Das fragen sich Millionen Leserinnen und Leser – zurecht. Jede Menge, entgegne ich da trotzig. Allerdings scheint im Winter mein Wille zur kritischen Reflektion einzufrieren. Und faul bin ich dazu. Aber man muss ja nicht immer an allem rummäkeln, alles und jeden in den Dreck ziehen und gelangweilt aufs Rotweinglas starren, nur weil man das eben so macht bei der Großstadtfreizeitverbringung. Also frisch nun ein paar Zeilen verfasst über ein paar Dinge, die mir richtig Spaß gemacht haben.

festspielhaus1.jpgAngefangen mit „roadmetal, sweetbread“ in Dresden, einem Gastspiel der Stationhouseopera aus London. Allein das altehrwürdige Festspielhaus in Hellerau raubt mir jedes Mal den Atem, wenn ich zwischen den beiden Pförtnerhäuschen hindurch auf den großen Platz komme und auf die schlanken Säulen des Eingangsportals zuschlendere. Nur hier habe ich das Gefühl, gleich wie selbstverständlich Franz Kafka an der Bar zu treffen. Hier weht des Geist des frühen 20. Jahrhunderts.

road-metal.jpgNun aber zum Stück selbst, dass sich der Beschreibung mit Sprache beinahe entzieht, vielleicht, weil es ohne Sprache auskommt. Ein Paar zeigt Szenen ihrer Beziehung: Misstrauen, Alltag, Mordfantasien…. Auf einer weißen Wand, die von rechts bis zur Mitte der Bühne reicht und den bespielbaren Raum in einen sichtbaren und einen unsichtbaren trennt, werden die gleichen Szenen, die das Paar auf der Bühne spielt, in Videos gezeigt, nur variiert. Also ob das Video die geheimen Gedanken und Fantasien sichtbar macht. Die Filmsequenzen wurden alle in Hellerau für die wenigen Vorstellungen gedreht und genau auf den Raum und seine Möglichkeiten abgestimmt. Video und Schauspiel liefen so perfekt ineinander, ergänzten sich, spielten miteinander, dass ich oft gar nicht wusste, wo ich hinschauen soll. Schade, dass es davon keine Aufzeichnung gibt.

khan1.jpgWas war noch richtig gut? Nun, auf jeden Fall „King Khan and BBQ- Show“. Der Khan ist ein dürrer Inder mit dickem Bauch (dessen Figur mich schwer an meinen alten Freund Moddies erinnert hat. Wer den jetzt nicht kennt, ist natürlich bei dem Vergleich schwer im Nachteil). Er trägt enge Frauenkleider, eine Perücke und spielt Stromgitarre wie kaum einer. Begleitet von BBQ am Minimal-Schlagzeug machen die beiden dreckigen Blues-Rock, dass es nur so kracht. Umrahmt wurde das Konzert in einer abgelegenen Industriehalle leider von einer sehr kruden Fotoausstellung von irgendwelchen versponnenen Typen, die mit einem Gasauto oder was ähnlichem um die Welt geeiert sind und sich dabei wohl für die Größten hielten. Ein böser Scheiß – aber ich will ja heute nur Gutes berichten.

fritzi2.jpgGut war auch „Heaven (zu tristan)“ im Gorki-Theater, inszeniert von Armin Petras und geschrieben von seinem alter ego Fritz Kater. Seit dem Werther am Gorki bin ich ja ganz verrückt nach Fritzi Haberlandt und auch dieses Mal hat sich mich mit ihrem unglamourösen Spiel verzaubert. Textlich hatte ich mir mehr versprochen, zumal die Stücke von Fritz Kater, die vor wenigen Jahren in Hamburg zur Aufführung kamen, mir von vertrauenswürdigen Personen als große Werke des zeitgenössischen Theaters beschrieben wurden. Etwas viel allzu oft Gehörtes über die Entfremdung und Entvölkerung im Osten der Republik, über geplatzte Träume und abgenutzte Hoffnungen. Ansonsten viele schöne Regieeinfälle, eine tolle Bühne und natürlich eine wunderbare Fritzi, die in einer Szene fast wortlos einen Telefonanruf entgegen nimmt und man an ihrer variantenreichen Mimik traumhaft ablesen kann, wie das Gespräch aus den USA gerade verläuft. Ein guter Abend, witzig und klug…. wenn auch der Text an der ein oder anderen Stelle…. ach was, war gut!

Vom Abend meiner Gattin und mir im Dresdner Bunker, wo Darkwave und Gothic als Subkultur noch lebendig sind und ich ganz viele Wodka-Redbull getrunken habe, berichtet ich ein anderes Mal. Oder besser vielleicht überhaupt nicht.

Fotos: Gorki Theater, Station House Opera, Festspielhaus Hellerau, King Khan

1 Antwort zu „Spaß, der Freude macht“


  1. 1 Rolf März 9, 2008 um 8:51

    Mein Lieber, was du mit der Fritzi Haberland hast, ist deine Sache. Mir hat die spindeldürre Hippe mit ihrem kantigen Gesicht fast den tollen Werther im Gorki versaut. Immerhin hab ich ihr abgekauft, dass sie von den beiden Idioten (Werther und ihrem Gatten) die Nase voll hatte. Wahrscheinlich weil es mir mit ihr gerade genau so ging.
    Aber Hellerau ist ein guter Tipp. Das will ich mir mal anschauen.
    In Zukunft erwarte ich mir wieder mehr Berichte von dunklen Stasi-Kerkern und Ostalgikern in Fleece-Jacken.
    Rolf


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