Moliere an der Schaubühne

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An der Schaubühne gab’s den Menschenfeind, Don Juan, Tartuffe und den Geizigen unter der schlichten Überschrift „Moliere“ auf einmal. Eine Art Remix also mit den besten Beats und den cremigsten Lyrics vom ollen Franzosen. Mit Thomas Thieme in der Hauptrolle ein vielversprechender und mit Freude erwarteter Abend.

Dass der Theaterabend zum Fiasko wurde, lag nicht ausschließlich, aber hauptsächlich am erbärmlichen Text. Feridun Zaimoglu, Kanack-Attack-Aktivist, Autor und Künstler an sich hatte sich die Stücke vorgenommen, sie in Säure aufgelöst und leider aus dem zersetzten Moliere nichts Vernünftiges mehr erschaffen können. Das Zusammengedichtete erinnerte nur noch ganz entfernt an Moliere und oszillierte zwischen infantiler Dämlichkeit und pseudotiefsinniger Phrasendrescherei, garniert mit Begrifflichkeiten aus der Pornobranche. Vielleicht sollte es schockieren, wenn ständig jemand Fotze ruft, Schwanz abschneiden brüllt oder eine Figur eine Kerze rektal verabreicht bekommt, vielleicht provozieren, wenn sich Thomas Thieme auf der Bühne einen wichst (aber richtig!) – mich und meine Begleiterinnen animierte diese Dauergeste des schlechten Geschmacks einfach nur zum Gähnen. Auf vier Stunden verteilt eine harte Prüfung.

moliere_back.jpgDauerkunstschnee, eine kahle Bühne, Lautsprecherboxen und mittendrin Thomas Thieme, eine Rampensau vor dem Herrn. „Liebe ist …“ gurrte, grunze, schrie er ins Mikro, wackelte mit seinem üppigen Speck und ließ so richtig die Sau raus. Thieme ist fett, er kann richtig ekelhaft sein und ihm ist nichts peinlich. Thieme riss an diesem Abend alles an sich, verschlang alles um sich herum und jagte mir ob derartiger Bühnenpräsenz manches Mal einen Schauer über die Hirnrinde. Eine grandiose Leistung, er hat alles gegeben. Respekt.

Als Fußnote bleibt noch zu erwähnen, dass ich das größte Pech hatte, dass einem bei einem Theaterbesuch widerfahren kann. Hinter mir saß eine junge Dame, der Kleidung nach montessorikindergartengeschädigt und auf einer angstfreien Privatschule herangezogen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit exaltiert heraus lachte. Oft als Einzige im Publikum. Ein Lachen an der Grenze zur Hysterie, das sich in seiner debilen Begeisterung nicht selten überschlug, kehlig knatterte, um dann glucksend ins Hochfrequente überzugehen. Wie gerne hätte ich ihr… aber lassen wir das, Gewalt führt ja zu nichts!

Fotos: Schaubühne

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