Paris im Herbst

dschakomeddi2.jpgWer an Paris denkt, der denkt meistens: „Nicht schlecht, dieses Paris! Kann man mal wieder hinfahren!“ Diesem Gedanken schließe ich mich gerne an. Es müssen nicht zwingend Kurz-Flitterwochen sein, wie jüngst bei uns, auch einfach so mal. Ist ja nicht weit.

Highlight war auf jeden Fall die Giacometti – Ausstellung in Centre Pompidou. Liebevoll ausgewählt und mit Verstand angeordnet konnte sich der geneigte Besucher ein schönes Bild über alle Schaffensperioden des Meisters machen. Besonders die Skizzenbücher Giacomettis beeindruckten durch ihre Souveränität, ihre Rohheit und den Willen, die treffende Form zu finden. Oft brachte er mit Kugelschreiber in leichtem schnellem Strich seine Ideen zu Papier, traktierte manche Stellen, die ihm scheinbar sehr markant und wichtig erschienen, aber derart, bis das Blatt durchgerubbelt war. Der Weg von der Idee, dem ersten Entwurf, zur Plastik – bei Giacometti wunderbar nachzuspüren. Besonders beeindruckend waren die modellierten Köpfe von Freunden oder Fremden, denen der Meister ihren Charakter ins Gesicht geknetet hat. Natürlich fehlten auch die Standards nicht wie die dürre Katze oder die ins groteske verzogenen dünnen Menschen.

Das Gebäude selbst beeindruckt zudem nicht nur dadurch, dass für ein Glas Möhrensaft im Restaurant zehn Euro abkassiert werden, sondern vor allem auch durch seine wirklich gewagte Architektur, die auf den ersten Blick so gar nicht zwischen die alten Häuser passen will, auf den zweiten aber mit seinen transparenten Röhren und massiven Stahlverstrebungen eine seelenbelebende Auffrischung bietet.wir-centre-pomidou.jpg

Also nicht nur „Trumpfbogen und Schasselisee“ (Helge Schneider) gibt’s zu sehen, sondern eben auch jede andere Menge schöne Dinge. Vor allem der Friedhof Pere Lachaise ist im Herbst genau das Richtige für Freunde von „The Smiths“… Enttäuschend letztlich Notre Dame, natürlich ein imposanter Bau, aber zur Touristenklitsche verkommen. „Nichts Heiliges ist mehr“ würde Schiller hier wohl sagen.

Eine Warnung noch beim Shoppen: Den Laden von Marc Jacobs unbedingt meiden! Der Mann kann schöne Klamotten entwerfen, in seinem Laden in Paris mag er die wohl aber leider nicht zeigen.

1 Antwort zu „Paris im Herbst“


  1. 1 SilkeundHannes November 14, 2007 um 10:25

    Ihr beiden seid zu beneiden! Und es sei euch gegönnt nach dieser wahnsinnigen Hochzeitsfeier voller Überraschungen. Wir haben übrigens im Sommer vor der Riesenschlange des Musée d’Orsay kapituliert, sind dafür aber in einer Ausstellung der Studenten der Ecole des Beaux Arts gelandet und haben viel schönes gesehen – unter anderem kotzende Monster-Alliens in quietsch-bunten Farben. Würden wir uns aber sogar ins Wohnzimmer hängen. (Hannes sagt „Nein“). Wie auch immer, liebe Grüße aus Köln und bringt die Bilder mit in den Schwarzwald. Wir sehen uns Weihnachten. L.J. aka Hänsel + Silk E. MC aka Doc Snyder fka Zilgo


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