
Man versteht vieles auf der documenta, bloß keinen Spaß. Das habe ich vor einigen Monaten an dieser Stelle anlässlich meines Besuches der größten Kunstmesse der Welt treffend angemerkt und dazu stehe ich heute noch mehr als damals, so wahr mir Gott helfe. Denn vergangenes Wochenende führten mich meine guten Kontakte in die Ostzone auf die „ostrale“ in Dresden.
Im ehemalige Großschlachthof der Stadt stellten junge Künstler aus Dresden, Leipzig, Berlin und auch eine Handvoll aus dem Ausland aus. Vom Schlachthaus über die Umkleideräume, die Büros und der riesigen Lüftungsanlage unter Dach – überall hing, stand oder lag Kunst. Wundervoll fand ich kantige Installationen wie die „Blutdusche“ in einem runtergeranzten Waschraum, wo aus den Duschköpfen unaufhörlich Schweineblut an die Kacheln spritzte. Ebenso bemerkenswert die Performance, in der Tänzer als Stubenfliegen verkleidet durch den Raum schossen und an den Wänden pappten, während die Oberfliege mit Stöcken Blechgeschirr malträtierte. Herrlich schräg, alles mit großer Leichtigkeit und doch voller Symbolkraft.

Eine echte Endeckungsreise in Sache Kunst war das. In jeder Ecke gab es eine neue Idee zu entdecken, die Neugier trieb uns stundenlang von Büro zu Büro, vom Keller unters Dach, vorbei am Bierstand, wo eine Jazzkapelle an den räudigsten Instrumenten, die ich je gesehen habe, herzlich vor sich hin improvisierte. So viel gelacht und gestaunt habe ich schon lange nicht mehr. Unverkrampft und unmanieriert das Ganze. Und am Ende des Abends konnten wir ein schönes Fazit ziehen, nämlich das Kunst machen doch keine existenzielle Bürde ist, die nur unter großem Gejammer und Seelenpein zustande kommen darf. Kunst macht Spaß! Ich freu mich auf jeden Fall schon auf die nächste ostrale kommendes Jahr.

Und eigentlich war noch was schön: Aufgetakelte reiche Matronen und waldorfkindergartensozialisierte Feingeister, die mindestens 20 Semester Kunstgeschichte an bedeutenden Unis im Inland und an unaussprechlichen im Ausland studiert haben, gaben sich, falls doch anwesend, nicht als solche zu erkennen.
heiko, endlich mal wieder ein blog-lebenszeichen von Dir. und ein munteres kunst-statement dazu. klingt nach großem amüsement – warum geht sowas nicht in kassel?
Rudi, die ostrale war wirklich der Knüller, hat riesigen Spaß gemacht.
Nebenbei habe ich im ganz kleinen Kreis geheiratet am Wochenende, hat noch mehr Spaß gemacht! Du kommst zudem in unserem Hochzeitsrap vor, hör mal rein!
toll, so etwas zu lesen. leute wie ihr sied auf jeden fal wieder herzlich willkommen, wenn die ostrale dieses jahr wieder ihre pforten öffnet! alles noch größer, noch schöner, noch vielseitiger, aber der charme – der bleibt. versprochen! weitersagen..
lg, matt