Kunst und Königsberger Klopse

kartoffel.jpgSchorsch Kamerun sang sich einst in den 80ern als Frontmann von „Die Goldenen Zitronen“ mit „Am Tag als Thomas Anders starb“ oder „Man kann auch ohne Beine die Sportschau sehen“ in mein zartes Teenagerherz. Die Zitronen gibt’s heute zum Glück immer noch und sie sind immer besser geworden. Der Schorsch macht seit einer– Weile auch Theater und da kam ich natürlich nicht umhin, mir kürzlich sein Stück „Der kleine Muck ganz unten – die Welt zu Gast beim Feudeln“ in der Volksbühne anzuschauen.

Einen Abend in der Volksbühne zu verbringen ist immer schön. Diesen Satz hätte ich jetzt natürlich nicht geschrieben, wenn in den nächsten Sätzen die frohlockenden Chöre der begeisterten Theaterkritik ihre Füllhörner ausschütten würden. Denn überraschend fade und kleinbürgerlich ging es zu beim Feudeln mit dem kleinen Muck. Es ging um Moscheenbau, Einwanderung, Auswanderung, Integration, Ausgrenzung, Kultur, fliegende Teppiche, Orient, Okzident, Fernost, Stadt und vieles mehr, eigentlich um alles – und das ist meistens zuviel. Am besten gefallen haben mir Kartoffel, Essiggurke und Bratwurst, die konfus über die Bühne taumelten und irgendwie Symbol waren für Deutschland, oder das Deutsche, für Werte, Bodenständigkeit, für Rassismus vielleicht auch.

„Königsberger Klopse mit Reis oder Kartoffeln? Das ist hier keine Glaubenssache, das ist eine Tatsache. Der Reis soll abhauen.“ So ging das in einem fort, zwischendrin wurde Schlagzeug gespielt, chinesische oder japanische Instrumente bemüht und auch gesungen. Für mich eine wirre Collage von wenig guten und viel schlechten Ideen, die in eine bescheuerte Handlung gepresst wurden, auf die ich ob ihrer Dämlichkeit gar nicht eingehen will. Auf die wirklich hübsche und sicher für viel Geld gebaute Bühne von Constanze Kümmel hätte man glatt verzichten können, so wenig wurde in ihr und mit ihr gespielt. Immer wieder drehte sich die Drehbühne, immer linksrum – vielleicht auch eine verschlüsselte Botschaft, die ich nicht verstanden habe.

1 Antwort zu „Kunst und Königsberger Klopse“


  1. 1 rudiraschke Juli 25, 2007 um 12:21

    heiko, das klingt wieder mal nach hoher kryptik, die Du Dir da zugemutet hast, kein zuckerschlecken. aber einer muss es ja tun. gruss vom rudi


Eine Antwort schreiben




a

Archiv

Kalender

Juli 2007
M D M D F S S
« Jun   Aug »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031